Instituts-Nachricht
F*ck Up Night – When Failure Makes You a Better Scientist
Scheitern gehört zur Wissenschaft, findet aber nur selten seinen Weg in Publikationen, Konferenzvorträge oder Lebensläufe. Am 24. September kamen Forschende verschiedener Karrierestufen und wissenschaftlicher Hintergründe im Internationalen Club der Universität Bonn zur vierten Ausgabe unserer „F*ck Up Night – When Failure Makes You a Better Scientist“ zusammen. Im Rahmen der Postdoc Appreciation Week teilten drei Vortragende sehr unterschiedliche und persönliche Geschichten über Rückschläge, schwierige Entscheidungen und darüber, was sie daraus gelernt haben.
Paula Schrage, Doktorandin an der Universität Bonn, sprach in ihrem Vortrag „A story about losing joy and finding it again“ offen über eine herausfordernde Phase während ihrer Promotion. Sie beschrieb, wie sie im Laufe eines Jahres in einen Kreislauf aus Ängsten, Selbstzweifeln, Stress und zunehmendem Druck geriet. Vor allem aber erzählte sie davon, wie es ihr gelang, diesen Kreislauf zu durchbrechen und nach und nach die Neugier und Freude an ihrer Forschung wiederzufinden. Ihr Vortrag gab einen ehrlichen Einblick in eine Seite der Promotion, über die selten offen gesprochen wird.
Prof. Daphne Soares, Neuroethologin am New Jersey Institute of Technology, die derzeit ein Sabbatical an unserem Institut verbringt, widmete sich einer anderen Herausforderung in der Wissenschaft: unserem eigenen Ego. Anhand von Erfahrungen aus ihrer Forschungskarriere reflektierte sie Situationen, in denen die starke Überzeugung von einer Hypothese oder einem erwarteten Ergebnis ihren Blick auf eine wissenschaftliche Fragestellung beeinflusste und sie mitunter wertvolle Zeit und Forschungsgelder kostete. Ihre Botschaft: Auch Erfahrung schützt nicht vor Fehlern. Neugierig zu bleiben, offen für unerwartete Ergebnisse zu sein und bereit zu sein, die eigenen Annahmen loszulassen, sind wesentliche Bestandteile guter Wissenschaft.
Prof. Michael Roßbach nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die vielen Stationen und Wendungen seiner Karriere zwischen Wissenschaft, Industrie, Unternehmertum und Investment. Statt eine geradlinige Erfolgsgeschichte zu präsentieren, sprach er über Projekte und Entscheidungen, die funktioniert haben, und solche, die es nicht taten, über Richtungswechsel, Risikobereitschaft und auch über Unternehmensgelder, die auf diesem Weg verloren gingen. Seine Karrieregeschichte zeigte, wie selten berufliche Wege genau nach Plan verlaufen, und wie wichtig es ist, mutige Entscheidungen zu treffen und dabei ehrlich zu sich selbst zu sein, was man eigentlich möchte.
Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Geschichten verband alle drei Vorträge eine gemeinsame Botschaft: Wissenschaftliche Karrieren verlaufen selten geradlinig und Rückschläge können viele Formen annehmen. Manchmal sind es gescheiterte Experimente oder falsche Entscheidungen, manchmal geht es darum, die eigenen Annahmen infrage zu stellen, und manchmal verliert man aus den Augen, warum man ursprünglich Freude an der Wissenschaft hatte.
Nach den Vorträgen blieb bei Pizza und Getränken viel Zeit, die Gespräche fortzusetzen. Die entspannte Atmosphäre im Internationalen Club bot erneut den passenden Rahmen für einen offenen Austausch über Scheitern, Resilienz, Karriereentscheidungen und die Realität hinter wissenschaftlichem Erfolg.
Die Veranstaltung wurde von uns im Rahmen der Postdoc Appreciation Week und in Zusammenarbeit mit NeurotechEU organisiert. Ein großes Dankeschön an Paula Schrage, Daphne Soares und Michael Roßbach für ihre Offenheit und die Bereitschaft, ihre Erfahrungen zu teilen, sowie an alle, die dabei waren, Fragen gestellt und ihre eigenen Perspektiven eingebracht haben. Der Abend hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll es sein kann, nicht nur darüber zu sprechen, was funktioniert hat, sondern auch über all das, was auf dem Weg dorthin passiert ist.