Max-Planck-Institut - für Neurobiologie des Verhaltens — caesar

Instituts-Nachricht

Neurowissenschaften entdecken: Junge Talente bei der DNO 2026

14. März 2026

An einem Samstagmorgen Mitte März füllt sich unser Hörsaal langsam mit einer Mischung aus Vorfreude und konzentrierter Stille. Mehr als 60 Schüler*innen aus der Region sind zur diesjährigen Deutschen Neurowissenschaften-Olympiade in Bonn zusammengekommen. Alle angetrieben von derselben Frage: Wie funktioniert das Gehirn?

Nach einer kurzen Begrüßung beginnt der Wettbewerb. Stifte gleiten über die Prüfungsbögen, während die Teilnehmenden Fragen zu Themen von neuronaler Signalverarbeitung bis hin zu Verhalten beantworten. Doch die Deutsche Neurowissenschaften Olympiade (DNO) ist mehr als nur ein schriftlicher Test. Im Laufe des Nachmittags durchlaufen die Schüler*innen verschiedene praktische Aufgaben, identifizieren Gehirnstrukturen, bearbeiten neurologische Fallstudien und wenden ihr Wissen in neuen Kontexten an.

Zwischen den Wettbewerbsrunden verändert sich die Atmosphäre. Im Erdgeschoss hat sich das Institut in eine interaktive NeuroExpo verwandelt, einen Raum, in dem Neurowissenschaften erlebbar werden. Hier testen die Teilnehmenden ihre eigene Wahrnehmung anhand klassischer Illusionen, erkunden, wie sich das Gehirn an veränderte Sinneseindrücke anpasst, und vergleichen Gehirne verschiedener Tierarten. An einer Station geraten Sehen und Bewegung aus dem Gleichgewicht, an einer anderen wird die Körperwahrnehmung subtil verändert. All diese Erfahrungen verdeutlichen eine zentrale Erkenntnis: Wahrnehmung ist kein direktes Abbild der Welt, sondern wird aktiv vom Gehirn konstruiert. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr war der Beitrag der iBehave CADRE und eLab Teams der Universitäten Bonn und Köln. An ihrem Stand konnten Besucher*innen entdecken, wie Ingenieurwissenschaften und Neurowissenschaften in der modernen Forschung zusammenwirken – von elektronischen Systemen bis hin zu experimentellen Ansätzen.

Im Laufe des Tages hatten die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, direkt mit Forschenden ins Gespräch zu kommen. Während der Ask-Me-Anything-Session im Hörsaal konnten sie Fragen zum Studium der Neurowissenschaften, zu Karrierewegen und zum Forschungsalltag stellen. Dieses offene Format schuf Raum für informellen Austausch und ermutigte die Schüler*innen, über den Wettbewerb hinausgehende Themen zu erkunden.

Ich hätte nicht erwartet, dass Neurowissenschaften so praktisch sind. Es war wirklich spannend, das Gehirn tatsächlich zu erleben und nicht was nur darüber zu lernen. DNO Teilnehmerin

In der finalen Runde, der Podiumssession, beantworteten die besten 15 Teilnehmenden kurze neurowissenschaftliche Fragen, die von der Jury gestellt wurden. Diese Runde entschied über den ersten, zweiten und dritten Platz des Bonner Wettbewerbs, die am Ende des Tages gefeiert wurden. Die Jury, bestehend aus den Gruppenleiterinnen Monika Scholz und Aneta Koseska sowie dem Postdoktoranden Kalel Rossi, sorgte in dieser Phase für eine sorgfältige und konsistente Bewertung.

Der Tag endet dort, wo er begonnen hat, im Hörsaal, nun geprägt von Freude und Anerkennung der Leistungen der Teilnehmenden. Die Preise für die Gewinner*innen umfassten neben neurowissenschaftlichen Lernmaterialien auch die Möglichkeit, im Rahmen von Praktika am Institut sowie an kooperierenden Forschungsstandorten praktische Erfahrungen zu sammeln.

Die Qualifikation für das nationale Finale erfolgte in den Tagen nach der Veranstaltung. Auf Grundlage der Gesamtwertung aller Regionalwettbewerbe wurden die 45 besten Teilnehmenden aus Bonn, Heidelberg und Berlin zum nationalen DNO-Finale in Frankfurt eingeladen. Dieses findet am Max-Planck-Institut für Hirnforschung statt, einem langjährigen Partner der DNO und Teil eines engen Netzwerks innerhalb der deutschen Neurowissenschaften.

Veranstaltungen wie die DNO zeigen, wie aus früher Neugier wissenschaftliche Begeisterung entstehen kann. Indem das Institut seine Türen für junge Schüler*innen öffnet, vermittelt es nicht nur Einblicke in die Forschung, sondern lädt zugleich die nächste Generation dazu ein, selbst Teil dieser wissenschaftlichen Reise zu werden.

Eine Teilnehmerin identifiziert Gehirnstrukturen während einer Neuroanatomie-Aufgabe.
Julia Schlee | PR

Eine Teilnehmerin identifiziert Gehirnstrukturen während einer Neuroanatomie-Aufgabe.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Julia Schlee
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit